✡ Rundgang jüdisches Baden

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Vor dem Einmarsch der Nationalsozialisten war Baden Sitz der drittgrößten jüdischen Gemeinde Österreichs. Die Mitgliederanzahl der Badener Kultusgemeinde, deren Sprengel auch die Gerichtsbezirke Baden und Pottenstein sowie den Ort Gumpoldskirchen umfasste, wird mit über 2000 Seelen beziffert, das heißt mit rund 10 % der Gesamtbevölkerung beziffert. Besonders hoch war auch der Anteil der jüdischen Kurgäste, welche insbesondere aus den Nachfolgestaaten der österreichisch-ungarischen Monarchie kamen. Der Badener Bürgermeister Josef Kollmann führte ihn gar mit 2/3 der Gesamtbesucher an (Quelle: H. Meissner, Der Prozess Kollmann, S8 f).

Neben Baden verzeichneten auch die Orte Bad Vöslau sowie der Ort Gainfarn, der nunmehr Vöslau eingemeindet ist, einen größerer Anteil jüdischer Bevölkerung. In Vöslau-Gainfarn existierte daher unter anderem auch eine öffentliche Synagoge in der Petzgasse 3, eine koschere Fleischbank und auch ein israelitisches Ferienheim.

 

In unserem Rundgang – den wir laufend erweitern – aufgenommen sind Bauwerke und Plätze, welche für die Geschichte der jüdischen Gemeinde Badens von besonderer Bedeutung sind. Für Tipps uns Anregungen sind wir immer offen und dankbar


Villa Epstein

Raingergasse 1

Die Villa Epstein ist der früheste belegbarer Villenbau des bekannten Wiener Architekten Otto Wagner. Er erbaute sie für Gustav Ritter von Epstein im Jahre 1867 nach weitgehend italienischem Typus.


Koscheres Hotel Schey

Annagasse 21

Ab den 90 Jahren des 19. Jhdts. bis zum Einmarsch der Nationalsozialisten befand sich im Hause Annagasse 18 das von Nathan Schey gegründete und zuletzt von dessen Sohn David und dessen Schwiegertochter Frieda betriebene Hotel. "Das Schey" galt als Treffpunkt für Badens orthodoxe Sommergäste. So manche chassidische Hochzeit fand in diesem Hause statt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten "wechselte" die Liegenschaft 1938 den Besitzer.


Privatsynagoge Fam. Deutsch

Wassergasse 14

Im Hause Wassergasse 14 errichtete Leopold Herz im Jahre 1849 ein Bethaus, welches mit seinen 285 Sitzplätzen bis zum Jahre 1938 in Verwendung stand, und neben dem in der im ersten Weltkrieg eingerichteten polnischen Beth Hamidrasch in der Grabengasse 12, das zentrale Gebetsstätte für Badens Orthodoxie darstellte. Das Haus in dem zuletzt der Dajan Rabbiner Salomon Friedmann (Schwiegersohn des ersten Rabbiners Wolf Kohn) wirkte, stand von 1881 bis 1938 im Eigentum der Familie Deutsch. In der Reichskristallnacht wurde das Bethaus von Badener Bürgern zerstört, das Gebäude in weiterer Folge arisiert und nach dessen Restitution von den Erben nach Dr. Samuel Deutsch verkauft.


Hermann Todesco Stiftung für arme Badebedürftige

Johannesgasse 11

Im Jahre 1846 errichteten Eduard und Moritz Todesco im Gedenken an Ihren Vater die "Hermann Todesco Stiftung für arme Badebedürftige". Die Vergabe der Pensionsplätze im Siftungshaus Johannesgasse 11 hatte nach dem Stiftungszweck je zur Hälfte an christliche und israelitische Glaubensangehörige zu erfolgen. Sie stellt somit ein frühes Beispiel einer interkonfessionellen Einrichtung dar.


Jüdischer Friedhof

Halsriegelstrasse 2

Auf dem 1873 errichteten und in weiterer Folge mehrfach auf seine heutige Größe von rd. 13.000 qm erweiterten Friedhofsareal fanden bis heute rund 1.900 Beisetzungen statt. Bei den Beerdigten handelt es sich vorwiegend um Angehörige der ehemaligen Badener Kultusgemeinde (Gerichtsbezirke Baden und Pottenstein sowie der Ort Gumpoldskirchen) sowie Personen die während des Kuraufenthaltes in Baden oder Bad-Vöslau bzw der Lungenheilanstalt Alland verstarben.

Villa Hahn

Weilburgstrasse 81 bis 85

In den Jahren 1885 bis 1887 errichtet nach den Plänen von Otto Wagner für den k.k. Regierungsrat Samuel Ritter von Hahn vom Badener Stadtbaumeister Anton Breyer.


Wohnhaus von Oberrabbiner Dr. Hartwig Carlebach

Helenestraße 4

Ab dem Jahr 1934 bewohnte Oberrabbiner Dr. Hartwig Carlebach mit seiner Familie das Haus Helenenstrasse 6 und noch im Dezember 1937 feiern seine Söhne in der Badener Synagoge ihre Bar Mitzwah. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verlässt die Familie am 14. Juli 1938 Baden. Die Flucht führt die Familie schließlich über Litauen nach den USA.


Koscheres Restaurant

Annagasse 18

Ab dem Jahre 1859 führte die Witwe Marie Rausnitz geb. Elkan mit ihren Söhnen in Baden einen über die Grenzen Badens hin bekannten koscheren Restaurationsbetrieb, welcher sich zunächst im Hause Wassergasse 14 befand. 1891 übersiedelte der Betrieb in die Annagasse 18. Gleich schräg gegenüber befand sich die Konkurrenz, '"das Schey". Nach dem Tod von Marie Rausnitz im Jahre 1901 führten deren Söhne Sigmund und Otto den Restaurationsbetrieb fort, ehe er nach dem Tode Otto Rausnitzs nach der Sommersaison 1937 seine Pforten schloss.


Haus des Oberrabbiners Prof. Wilhelm Reich

Theaterplatz 1

Wohnhaus des Badener Oberrabbiners Prof. Wilhelm Reich (1852-1929) von 4.2.1907 bis zu seinem Tode am 24.7.1929. Am Haus wurde aufgrund einer privaten Initiative eine Gedenktafel angebracht.


Geburtshaus Max Reinhardts

Mariengasse 2

Am 9. September 1873 kam im Hause Mariengasse 2 der Schauspieler und Regisseur Max Reinhardt als Sohn des Wiener Kaufmannes Wilhelm Goldmann und dessen Frau Rosa (geb. Wengraf) zur Welt.


Waisenhaus des Kriegswaisenfonds der Agudath Israel

Germergasse 48

1921 eröffnete der Kriegswaisenfonds der Agudath Israel ein Waisenhaus, welches zunächst Kindern Obdach bot, deren Eltern Opfer der russischen Progrome wurde. Später stand es auch anderen (Teil)waisen offen. Die Leitung des Waisenhaus sorgte neben der weltlichen Ausbildung auch für eine streng religiöse Erziehung der Kinder, weshalb das Haus auch über einen eigenen Betsaal verfügte. Der Direktor des Waisenhauses Phillip Friedmann und seine aus Wiener Neustadt stammende Frau fanden in den Lagern Osteuropas Ihr Lebensende. Die Liegenschaft wurde nach dem 2. Weltkrieg an den Verein "Kriegswaisenfonds" der Agudath Israel restituiert und fristet seither dem Verfall.

Villa Jellinek-Mercedes

Wienerstraße 45

Auf dem Grundstück Wienerstrasse 39-45 ließ der bekannte Emil Jellinek (6.4.1853 Leipzig - 21.1.1918 Genf) eine Villa erbauen, von der heute noch ein Seitentrakt erhalten ist. Er war der Sohn des Wiener Predigers Rabbiner Dr. Adolf Jellinek (1821-1893). Seine Brüder sind der bekannte Sprachwissenschafter Dr. Max Hermann Jellinek (1868-1938) sowie der Staatsrechtslehrer Dr. Georg Jellinek (1851-1911).


Ehemaliges Rituelles Bad und Wohnhaus der jüdischen Gemeinde

Vöslauerstrasse 31

1923 errichtete die Israelitische Kultusgemeinde Baden in diesem zuvor von ihr erworbenen Gebäude ein rituelles Bad (Mikwah). Im Haus befanden sich neben Wohnungen (so jener des Rabbiners und Dajans Salomon Friedmann) auch Übernachtungsquartier für minder bemittelte Durchreisende oder Badegäste. Die Liegenschaft wurde im Jahre 1940 zusammen mit sämtlichen anderen Liegenschaften der Badener Kultusgemeinde von der Stadt Baden "erworben" und bereits im Jahre 1942 an die jetzige Besitzerfamilie weiterverkauft, weshalb eine Rückstellung nach dem Ende des zweiten Weltkrieges unterblieben ist.


Altersheim der Chewra Kadischa Wien

Braitnerstrasse 21

Im Hause Braintnerstrasse 23 unterhielt die Chewra Kadischa Wien ein Altersheim, in dem betagte Glaubensgenossen Unterkunft gewährt wurde. Nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten fanden in diesem Gebäude unter anderem sogenannte Umschulungskurse - so etwa ein Konditorenkurs - für Gemeindemitglieder statt, die diesen die Ausreise erleichtern sollten. Das Gebäude wurde nach dem Krieg an die Chewra Kadischa restituiert und wird derzeit als Mietswohnhaus genutzt.


Geburtshaus des Nobel-preisträgers Dr. Karl Landsteiner

Conrad von Hötzendorfplatz 4

Der bekannte Mediziner Dr. Karl Landsteiner kam am 14. Juni 1868 kommt im Hause Baden, Neugasse 7 (heute Conrad von Hötzendor-fplatz 4) zur Welt. Im Oktober 2004 wurde nach Dr. Karl Landsteiner eine der Alleen am Bahnhofsplatz benannt.


Synagoge Bad Vöslau

Petzgasse 3

1911 erwarb der Israelitische Bethausverein Vöslau die Liegenschaft Petzgasse 3 im Versteigerungswege und baute das darauf befindliche Wohnhaus zu einer Synagoge um, welche bis zum Jahre 1938 bestand. Die ca. 120 Personen zählende Gemeinde in Vöslau und Gainfarn wurde vor allem während der Sommermonate durch eine große Anzahl jüdischer Kurgäste bereichert und beschäftigte einen eigenen Schächter und Religionslehrer.