✡ Familiengeschichten

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✡ Familie Alexander Spitzer & Söhne (Gumpoldskirchen)

Die einzige über einen längeren Zeitraum – d.h. mehr als 50 Jahre – im Ort Gumpoldskirchen lebende jüdische Familie war jene des Alexander Spitzer (1837-1910).

 

Der Stammbaum dieser levitischen Familie reicht weit zurück. Einer alten Familienchronik zufolge soll sich bereits im Jahre 1643 ein Gerber aus Spitz an der Donau im ungarischen Eisenstadt niedergelassen haben. Als Vorfahre der Familie Spitzer nachweisbar ist jedenfalls Moses ha Levi Spitz (vgl. hiezu und zur Eisenstädter Genealogie: Wachstein Bernhard, Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Eisenstadt), welcher um das Jahr 1694 verstarb, dessen Sohn Abraham allerdings noch am 21. März 1656 in Spitz zur Welt gekommen sein soll. Abraham Spitz, der ursprünglich selbst in Eisenstadt gewohnt und mit Salda, der Tochter des 1686 verstorbenen Mitbegründers der jüdischen Gemeinde Eisenstadt Hirsch Austerlitz verheiratet war, wurde in Wien als Finanzmagnat bekannt. Er verstarb daselbst am 17. April 1741. In die Geschichte der jüdischen Gemeinde Eisenstadt ist er als Förderers des Baues der Synagoge eingegangen. Sein Bruder Naftali Hirsch verstarb 1712 als Oberrabbiner in Worms. Abrahams Sohn Isak übernahm den väterlichen Besitz in Eisenstadt. Er vermählte sich mit Malka einer Tochter des dort ansässigen David Lichtenstadt und scheint in den Jahren 1724-25 als Mitglied des Vorstandes der jüdischen Gemeinde auf. Er verstarb am 12. September 1754 und liegt ebenso wie sein am 3. März 1808 verstorbener Sohn Abraham auf dem alten jüdischen Friedhof der Landeshauptstadt begraben. Des Letztgenannten Sohn Samuel (gest. 9. Dezember 1844) scheint wiederholt als Vorsteher der Eisenstädter jüdischen Gemeinde auf und soll sich um den Bau der (neueren) Synagoge verdient gemacht haben. Sein um das Jahr 1813 geborener Sohn Abraham nunmehr: Spitzer ehelichte Fradel Kauders (gest. 1879) und gründete 1852 in Eisenstadt eine Lederfabrik, die später von seinen Söhnen Alexander (hebr.: Schabbatai), Leopold (1838-1897) und Emil (gest. 1928) gemeinschaftlich weitergeführt wurde. Abraham Spitzer, 1848 Vorsteher der jüdischen Gemeinde, verstarb am 25.9.1873 zu Eisenstadt und liegt auf dem alten jüdischen Friedhof begraben.

 

Von 1867 – 1871 scheint auch sein Sohn Alexander als Oberhaupt der Eisenstädter jüdischen Gemeinde auf. Der Ehe Alexander Spitzers mit seiner Gattin Rosa Bunzlau (1860-1900) enstammten elf Kinder: sieben Töchter und vier Söhne. Der älteste Sohn Gustav hatte seine eigene Lederfabrik in Böhmen. Zuerst in Schluckau, später in Reichenau. Sohn Emil war Doktor der Medizin und starb Ende der Zwanziger Jahre. Die Töchter waren in Ungarn, Böhmen und der Slowakei verheiratet.

 

Alexander Spitzer machte sich um das Jahr 1881 (vgl. Meissner, Die Juden von Baden und ihr Friedhof, S 210, der das Datum mit 1883 angibt) von seinen Brüdern selbständig, erwarb im Ort Gumpoldskirchen die Mühle des Johann Schenner und gründete die Lederfabrik Alexander Spitzer, in welche später die Söhne Alfred (geb. - ) und Arthur (geb. 1879) eintraten und die 1904 in Lederfabrik Alexander Spitzer & Söhne unbenannt wurde.

Arthur Spitzer

Lenke Spitzer née Popper

Alfred Spitzer


 

Nach dem Tode Alexander Spitzers im Jahre 1910 hatte Arthur Spitzer die kommerzielle, dessen Bruder Alfred die technische Leitung inne. Beide Besitzerfamilien lebten auf dem Fabriksareal in der Wienerstrasse 118:

 

1. Alfred Spitzer mit seiner Frau Ella geb. Weiss (geb. 1884) und den Zwillingssöhnen Erich und Otto (geb. 1901).

2. Arthur Spitzer und seine Gattin Lenke geb. Popper (geb. 1893) mit den Kindern Josefa (Pipsi) und Alexander (geb. 1918).

 

Nach der Herzerkrankung Alfred Spitzers in den frühen dreißiger Jahren übernahm Otto Spitzer von seinem Vater die technische Leitung. Sein Zwillingsbruder Erich Spitzer arbeitete unter seinem Onkel in der kommerziellen Abteilung.

 

 

Otto Spitzer                                             Erich Spitzer


Interessant erscheint, dass der Sprengel der Badener Kultusgemeinde seit jeher auch den Ort Gumpoldskirchen umfasste, welcher als einziger Ort des Gerichtsbezirkes Mödling nicht der später eingerichteten Schwesterngemeinde eingewiesen wurde. Zweimal versuchte die Mödlinger Kultusgemeinde Gemeinde vergebens Gumpoldskirchen in ihren Sprengel einverleibt zu bekommen und beide Male sprach sich die von den Behörden hiezu befragte Familie Spitzer für einen Verbleib im Badener Gemeindeverband aus. Besonders Alexander Spitzer war der Badener Kultusgemeinde sehr verbunden und spendete unter anderem eine Thorarolle, welche in der großen Synagoge aufbewahrt wurde. Alexander Spitzer und dessen Frau Rosa liegen auch auf dem jüdischen Friedhof in Baden begraben.

 

Die Familie Spitzer war auch in der Gumpoldskirchner Zeit um die jüdische Erziehung ihrer Kinder bemüht und so sorgte die Badener Kultusgemeinde auch in der Elementarschulzeit stets auch für den Religionsunterricht. So wurde etwa Alexander, der Sohn Arthur und Lenke Spitzers, während seiner Volksschulzeit in den 20er Jahren vom Badener Schammes Arnold Singer unterrichtet, der hiezu allwöchentlich aus Baden anreiste.

 

Die sogenannte höhere Bildung erhielten die Kinder Arthur Spitzers nach der Volksschulzeit in Baden und nicht etwa in Mödling. Josefa Spitzer besuchte in Baden das Mädchen Lyzeum. Nach ihrer Matura belegte sie Archeologie an der Wiener Universität und beendete 1936 ihre Studien mit dem Doktorrat. Ihr Bruder Alexander maturierte im gleichen Jahr am Badener Realgymnasium in der Biondekgasse und studierte im Anschluss bis zum Jahre 1938 Chemie.

 

Einige Tage nach dem Anschluss requirierte die örtliche SA und SS große Teile der Spitzerschen Wohnungen als Hauptquartier. Als Erste gelang es Dr. Josefa Spitzer und deren Bruder Alexander im September 1938 Pässe zu erlangen und in die Tschechoslowakei auszuwandern, wo ihnen die Brüder ihrer Mutter auf deren Landwirtschaften in jenem Teil der Slowakei Obdach boten, der nach dem Münchner Abkommen Ungarn zufallen sollte. Anfang Mai 1939 schließlich erhielt Alexander ein Permit als Trainée nach England, wohin ihm Dr. Josefa Spitzer zwei Wochen vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges gerade noch nachfolgen konnte. Sie sollten als einzige der Gumpoldskirchner Familie überleben.

 

Die übrigen Familienmitglieder blieben zunächst in Gumpoldskirchen. Am 9. November 1938 wurde Arthur Spitzer verhaftet, nach Wien verbracht und einige Wochen in der Elisabeth Promenade gefangen gehalten. Die anderen Familienmitgliedern wurden mit einem Lastauto abtransportiert und ohne Pässe an der tschechischen Grenze freigelassen, von wo sie wiederum nach Wien zurückgelangten.

 

Im Frühjahr 1939 schließlich gelang Erich und Otto Spitzer die Flucht nach Budapest, wo sie bei Schwestern des Vaters unterkommen konnten. Über das nähere Schicksal ihrer Eltern und deren Deportation und Ermordung ist nichts bekannt. Arthur und Lenke Spitzer erreichten Budapest im Jahre 1941. Da Lenke Spitzer gebürtige Ungarin war und ihre Brüder in Budapest lebten, konnte das Ehepaar dort zunächst weiterkommen. Nach der Besetzung Ungarns durch die Deutschen wurde das Ehepaar allerdings denunziert, nach Auschwitz transportiert und ermordet. Erich und Otto Spitzer kamen im Konzentrationslager Mauthausen ums Leben.


✡ Familien Ritter von Gutmann und Freiherr Meyer von Ketschendorf

Zu den gesellschaftlich am höchsten stehenden jüdischen Familien, die zumindest einen Teil des Jahres über in Baden oder dem benachbarten Bad Vöslau verbrachten, gehörten die Familien der Ritter von Gutmann. Wilhelm Wolf Isaak Ritter von Gutmann (1826-1895), hatte sich zu Beginn der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts im damals aufstrebenden Kohlegeschäft zu etablieren begonnen und in weiterer Folge zusammen mit seinem jüngeren Bruder David Ritter von Gutmann (1834-1912) die Firma „Gebrüder Gutmann“ gegründet, die in den folgenden Jahren durch Förderung und Vertrieb dieses Rohstoffes sehr rasch zu einem der bedeutendsten Unternehmen in dieser Branche heranwuchs. Mit Anselm von Rothschild schlossen sich die Brüder Gutmann auch zum Ausbau der nahe Mährisch-Ostrau gelegenen Witkowitzer Eisenwerke zusammen. Sehr früh den Wert des – in modernen Worten ausgedrückt – Humankapitals erkennend scheinen vor allem ihre sozialen Leistungen für die dort tätige Arbeiterschaft durch Schaffung von Wohnungen, Unterrichtsanstalten sowie einer Art Unfall- und Pensionsversicherung erwähnenswert. 1878 werden die im mährischen Leipnik geborenen Brüder Gutmann schließlich in den erblichen Ritterstand (Ritter des Ordens der Eisernen Krone III. Kl.) erhoben.

 

Wilhelm Ritter von Gutmann, von 1892 bis 1893 Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, heiratet in erster Ehe Leonore Latzko (1827-1867), aus welcher Ehe die Kinder Berthold (1856-1932), Max (1857-1930) und Rosa (1862-1930) hervorgehen. Nach dem frühen Tod seiner ersten Frau heiratet er Ida Wodianer (1847-1924), die Tochter eines weiteren zeitweilig in Baden aufhältigen Finanzmagnaten. Mit ihr hat er drei weitere Kinder: Moritz (1872-1934), Elisabeth genannt Elsa (1845-1947) sowie Rudolf (1880-1966).

 

Gemeinsam mit seiner Frau lässt sich Wilhelm Wolf Isak Ritter von Gutmann im Jahre 1882 vom Badener Hugo Zimmermann in der Helenenstrasse eine Sommervilla erbauen und verbringt vor allem die wärmere Jahreszeit auf dem im Badener Helenental gelegenen Anwesen. Nach seinem Tod im Jahre 1895 steht die Badener Liegenschaft bis zum Einmarsch der Nationalsozialisten im Besitz des jüngsten Sohnes Rudolf Ritter von Gutmann. Haupterbe nach Wilhelm Isak war jedoch dessen ältester, aus der ersten Ehe stammende Sohn, Bergrat Dr. Max Ritter von Gutmann (1857-1930), Herr auf Schloss Droß und dem Jaidhof bei Krems. Max ging bereits den Weg der Assimilation indem er die aus christlichem Elternhaus stammende Emilie Hartmann (1877-1953) ehelichte. Nach seinem Tod Jahre 1930 tritt sein Sohn Wolfgang Ritter von Gutmann (1906-1964) das Erbe nach dem Vater an.

 

Moritz Ritter von Gutmann, der Halbbruder Max von Gutmanns, zuletzt verheiratet mit der, im Jahre 1942 von den Nazis ermordeten, Vortragskünstler Käthe von Gutmann geb. Frankl (1893-1942), erwarb im Jahre 1901 Herrschaft und Schloss Vöslau. Nach dem Tode Moritz von Gutmanns 1934 erwirbt Käthe von Gutmann – der im Schloss ein lebenslängliches Wohnrecht zugestanden wurde - das Haus Helenenstrasse 7a, das Schloss wechselt in den Besitz des Sohnes Wilhelm Ritter von Gutmann (1896-1966). Infolge der Machtergreifung der Nationalsozialisten gelangt der Vöslauer Besitz 1938 in den Besitz der Gemeinde Vöslau, die sich nach dem 2. Weltkrieg allerdings einem Rückstellungsverfahren zu stellen hatte.

 

Eine Schwester Rudolfs, Max und Moritzs, war Fürstin Elsa von und zu Liechtenstein (1875-1947), die 1929 den regierenden Fürsten Franz I. von und zu Liechtenstein (1853-1938) heiratete.

 

In einer Villa in Baden, Weilburgstrasse 16, wohnte auch Dr. Ludwig Ritter von Gutmann (1860-1900), ein Sohn David Ritter von Gutmanns, mit seiner Gemahlin Mathilde geb. Freiin von Günzburg (1866-1917). Drei ihrer Kinder, nämlich Dr. Wilhelm Hermann Ritter von Gutmann (1889-1966) , Lilly von Gutmann (7.6.1898) sowie Clarisse von Gutmann (28.8.1899), kommen hier zur Welt. Nach dem Tode Ludwig von Gutmanns, der auf seinem Badener Anwesen am 15. Oktober 1900 verstarb und in der Familiengruft auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt wurde, stand die Liegenschaft bis 1938 im Besitz des Sohnes Wilhelm Hermann.

 

Auch der andere Mitbegründer des Gutmann´schen Imperiums, David Ritter von Gutmann mit seiner Gattin Sophie von Gutmann geb. Latzko (1838-1902), hielt sich während der wärmeren Sommermonate regelmäßig bei Ihren Kindern in Baden auf. Neben Ludwig von Gutmann besaß nämlich auch deren Tochter Irma Freifrau von Mayer-Ketschendorf (1866-?) zusammen mit ihrem Mann dort eine Villa. Diese lag in unmittelbarer Nachbarschaft zu der des Bruders in der Weilburgstrasse 18, und sowohl Sophie von Gutmann als auch ihr Mann David verstarben hier. Die einzige Tochter Irmas, Alexandrine Elisabeth Freiin von Mayer-Ketschendorf (1902-1924) verstarb bereits im Alter von zweiundzwanzig Jahren. Wie die übrigen Familienmitglieder musste 1938 die bereits 72-jährige Baronin Österreich verlassen


✡ Gustav Ritter von Epstein

Der Bankier Gustav Ritter von Epstein (*1827 Prag - 1879 Wien), führte bis zum Jahre 1854 die väterlichen Baumwollfabriken in Böhmen und ehe er in Wien eine Privatbank gründete und leitete. 1867 ließ er sich an den Ausläufern des Dörfchens St. Helena, damals malerisch in den Weingärten des Mitterberges gelegen, auf einem von Erzherzog Rainer erworbenen Grundstück eine Villa erbauen, für deren Planung niemand geringerer als Otto Wagner verantwortlich zeichnete.

 

Zudem ließ sich ließ sich der Direktor der "priviligierten Österreichischen Nationalbank" und Vizepräsident der "k. k. privilegierten Österreichisch-Orientalischen Bank" in Triest; am Wiener Dr. Karl Renner Ring in den Jahren 1868 bis 1871 von Theophil Freiherr von Hansen ein Stadtpalais als Bank- und Wohngebäude erbauen, welches bis heute die Bezeichnung "Palais Epstein" trägt. Das Palais liegt unmittelbar zwischen dem Parlament und dem Naturhistorischen Museum. Hier sollte eigentlich das Adelige Casino entstehen, doch war der Preis für diesen prominenten Bauplatz zu hoch.

 

1871 zog sich Gustav von Epstein aus der Geschäftsführung seines Bankhauses zurück und widmete sich der Einrichtung seines neuen Hauses und seiner Kunstsammlung. Infolge des Börsenkraches verlor Epstein 1873 annähernd sein gesamtes Vermögen und sah sich zunächst gezwungen die Badener Villa an Erzherzog Rainer (1827-1913), später auch das Wiener Stadtpalais zu verkaufen.

 

Aufgrund seiner Verdienste um die Stadt Baden - der Bankier ließ auf seine Kosten die Gasbeleuchtung in der Kurstadt installieren - war bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung die nunmehrige Kornhäuselgasse nach Gustav Ritter von Epstein als Epsteingasse benannt. Nach dem Ende der Terrorherrschaft sah man aber seitens der Stadt keinen Grund, die seinerzeit aus "rassischen Gründen" erfolgte Umbenennung wieder rückgängig zu machen.......

 

Im Oktober 2004 wurde nach Gustav Ritter von Epstein eine der Alleen am Bahnhofsplatz benannt.


✡ Die Familie Samuel Ritter von Hahn

Zur jüdischen Nobilität Badens gehörte auch die Familie des Samuel Ritter von Hahn.

 

Zu Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jhdts. zog es den am 19. März 1837 in Ungarisch Ostrau geborenen Samuel Hahn in die Haupt- und Residenzstadt Wien, wo er in der Leopoldstadt 573 wohnte und es mit Zähigkeit und Fleiß zum Oberinspektor der Südbahn brachte.

 

1870 zieht Hahn – dies verdeutlicht seinen sozialen Aufstieg – von der Leopoldstadt in die Innere, wo er zunächst in Elisabethstrasse, später in der Walfischgasse wohnt.

 

1880 holt Paul-Eugene Bontoux Samuel Hahn als (jüdischen) Generaldirektor in die neu gegründete (katholische) Länderbank, einem Konkurrenzunternehmen zur Creditanstalt. Ein Amt, das Hahn siebzehn Jahre bis zu seiner Demissionierung Jahre 1897 innehaben sollte, und die infolge eines Verlustes der Bank im  erfolgte . 1881 wurden die Hahns in den erblichen Ritterstand mit dem Prädikat "von Hahn" erhoben. 1883 schließlich wurde Samuel Hahn zum königlich serbischen Generalkonsul ernannt, welches Amt er dreiundzwanzig Jahre lang ausübte.

 

1885 gab der, mittlerweile zum k.k. Hofrat avancierte Nobilitierte, Otto Wagner den Auftrag zur Erbauung einer Villa in Baden, die seiner Familie als ländlicher Sommersitz dienen und gleichzeitig den Repräsentationsanforderungen des Auftraggebers dienen sollte. In Wien bewohnt Hahn ab dem Jahre 1890 eine Wohnung im Hause Operngasse 8.

 

Der Ehe Hahns mit seiner 1926 verstorbenen Gattin Bertha entstammen vier Kinder:

1.) Die älteste Tochter Hermine von Hahn verheiratet mit Armin Baron von Popper.

2.) Der einzige Sohn Hahns, Carl von Hahn, verstarb bereits im Alter von dreißig Jahren, weswegen der Vater

3.) für den Ehemann seiner Tochter Clara, Karl Marschall, im Jahre 1907 dessen Nobilitierung mit dem Prädikat Ritter von Marschall-Hahn erwirkte.

4.) Die jüngste Tochter Margarethe verwitwet nach Dr. Sigmund Altmann, zuletzt verheiratet mit Paul Aulegk.

 

Nach dem Tode Samuel Ritter von Hahns im Jahre 1915 gelangte die Badener Hahn Villa in den gemeinsamen Besitz der drei Töchter. Schließlich geht sie im Jahre 1925 ins Eigentum der jüngsten Tochter Margarethe über. 1938 bis 1948 scheint deren nichtjüdischer Ehemann Paul Aulegk als Besitzer der Liegenschaft auf, welche somit dem Zugriff der Nationalsozialisten entzogen war. Schließlich gelangte der Besitz noch vor dem Abzug der Russischen Armee am 20. Juli 1954 ins Eigentum der Allgemeinen Invalidenversicherungsanstalt. Der Besitz verfiel bis in die 80er Jahre zusehends und sollte schließlich samt allen Nebengebäuden abgerissen werden. Einer Initiative um den Badener Architekten Dipl. Ing. Gerhard Lindner gelang es schließlich zumindest die Schleifung der eigentlichen Villa zu verhindern. Der von Otto Wagner gleichsam großzügig konzipierte Park sowie ein Teil des Nebengebäudeensembles konnten aber nicht gerettet werden. Auf Teilen des einstigen Parks entstanden eine Reihe von Reihenvillenbauten.